Struktur


Aktenserien

Identifikation

Signatur : Ar 201.286

Entstehungszeitraum / Laufzeit : 1934-1943

Verzeichnungsstufe : Bestand

Umfang : 0.01 m


Kontext

Abgebende Stelle

Daniel Suter, Zürich

Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben

Die Volksbühne Zürich war ein Theaterkollektiv von Amateuren. Sie entstand im Frühling 1931 durch den Zusammenschluss von Mitgliedern der aufgelösten Proletarischen Bühne Zürich mit weiteren Theaterinteressierten. Die Volksbühne verfolgte das Ziel, das Laienspiel zu kultivieren und der Arbeiterbewegung kulturelle Dienste zu leisten. In den dreissiger Jahren war sie die wichtigste Bühne des Arbeitertheaters in der Schweiz. Hauptinitiator war der Schauspieler Fritz Pfister, der die künstlerische Leitung übernahm. Auf dem Programm standen zunächst Lustspiele und Schwänke, was die Kritik der sozialdemokratischen Presse hervorrief. 1932 übernahm Michael-Eduard Flürscheim die Leitung. Er inszenierte Bearbeitungen von Werken Alfred Döblins, Adolf Stemmles und Jakob Bührers. Nach 1933 entwickelte sich die Volksbühne, zusammen mit dem Cabaret Cornichon und dem Schauspielhaus Zürich, zu einem der profiliertesten antifaschistischen Theaterensembles der Schweiz. Obwohl die meisten Mitglieder der Kommunistischen Partei nahe standen, trat die Volksbühne bei festlichen Anlässen beider Arbeiterparteien, der Gewerkschaften und bei Bildungsanlässen auf. Die Politisierung der Bühne wurde nach dem Ausscheiden Flürscheims 1934 von Kurt Früh fortgesetzt. Er verfasste für dieV olksbühne zahlreiche Dramen, politische und kabarettistische Szenen und Sprechchöre im Stile von Bertolt Brechts. Neben eigenen, meist zeitbezogenen Stücken, Szenen, Revuen und Kabarettnummern realisierte die Volksbühne vor dem Krieg die Schweizer Erstaufführungen von Friedrich Wolfs "Floridsdorf" (1935) und Brechts "Die Gewehre der Frau Carrar" (1938).

Die Aufführungen fanden meist im Theatersaal des Restaurants "Sonne" an der Zürcher Hohlstrasse und im Volkshaus am Helvetiaplatz statt. Die Volksbühne suchte die Zusammenarbeit mit anderen Gruppierungen, beispielsweise mit der "Singgruppe Zürich" und der "Arbeitermusik Union Zürich", mit den Spielgruppen "Der Scheinwerfer" Basel, "Die rote Spielgruppe Luzern", der "Neue Chor Biel", "Abakal Langenthal" und mit der "Fédération Romande". 1935 gründete die Volksbühne zusammen mit dem "Neuen Chor Zürich" den "Block der Arbeiterbühnentruppen der Schweiz". Um die Öffentlichkeit über die politischen und künstlerischen Absichten zu informieren, erschien in den Jahren 1934 und 1935 die Zeitschrift "Die Volksbühne". Mit der Kriegsmobilmachung 1939 und der politischen Repression gegen kommunistische Gruppen wurde die engagierte Theaterarbeit zunehmend erschwert. Von 1939 bis 1944 konnten die wenigen Aufführungen nur mehr als Veranstaltungen der Sozialdemokratischen Partei gezeigt werden: 1939 anlässlich der Tage der Arbeit an der Landesausstellung das von Albert Ehrismann und Kurt Früh verfasste Festspiel "Der neue Kolumbus"; 1941 zur 1.-Mai-Feier als Schweizer Erstaufführung Brechts "Die Mutter".

Übernahmemodalitäten

Eingang: 10.08.2015

zum AnfangInhalt und innere Ordnung

Form und Inhalt

Archivsplitter; vorhanden sind eine Nummer der Zeitschrift "Die Volksbühne" (25.12.1934) sowie Zeitungsartikel zu Aufführungen der Volksbühne (1935-1943) und zahlreiche Programme aus den Jahren 1936-1943.

Bewertung und Kassation

Es wurden keine Kassationen vorgenommen.

Neuzugänge

Neuzugänge werden nicht erwartet.

zum AnfangZugangs- und Benutzungsbedingungen

Zugangsbestimmungen

Der Bestand ist im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs ohne Beschränkungen einsehbar.

Sprache/Schrift

Unterlagen in deutscher Sprache

zum AnfangSachverwandte Unterlagen

Verwandte Verzeichnungseinheiten

SOZARCH 201.263: Block der Arbeiterbewegungschöre der Schweiz
SOZARCH Ar 58: Schweizerischer Arbeitersänger-Verband, Fédération suisse des chorales ouvrières

zum AnfangVerzeichnungskontrolle

Informationen des Bearbeiters

Die Bearbeitung erfolgte im April 2017 durch U. Kälin


Aktenserien

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Diverses

Ar 201.286.1Akten
1934-1943
1 Mappe, darin u.a.:
Die Volksbühne [Zeitschrift, 32 Seiten], Zürich, 25. Dezember 1934
Kritiken aus diversen Zeitungen (National-Zeitung Basel, Volksrecht, Zürcher Post, Tages-Anzeiger, Arbeiterzeitung Schaffhausen, Kämpfer, Thurgauer Arbeiter-Zeitung, Freiheit)
- Theaterabend vom 12.10.1935: „Hinterhaus“ (Frithjof), „Einer“ (Kurt Früh)
- „Hans im Glück“ (Kurt Früh)/“Der andere Weg“, 15.-21.04.1936
- Matinée Maxim Gorki, 11.10.1936
- Romain-Rolland Matinée
- Gebt uns Gedankenfreiheit, 22.04.1937
- Matinée Dichtung und Musik in der Tschechoslowakei, 21.11.1937
- Matinée Für den Frieden, 05.12.1937
- Vergesst sie nicht! Gedenkfeier für Ernst Toller, Erich Mühsam, Carl von Ossietzky, Kurt Tucholsky, 11.06.1939
- Zürcher Künstler helfen den Kriegsopfern, Wohltätigkeits-Veranstaltung zu Gunsten des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks, 09.01.1943
- Matinée Bert Brecht, 14.02.1943
Programme:
- Matinée Maxim Gorki, 11.10.1936, Studio Nord-Süd
- Gebt uns Gedankenfreiheit, Kabarett und Theaterabend zugunsten des Mühlestein-Fonds der Zeitung ABC, 22.04.1937 im Volkshaus Zürich
- Matinée Dichtung und Musik in der Tschechoslowakei, 21.11.1937, Studio Nord-Süd
- Matinée Für den Frieden, 05.12.1937, Studio Nord-Süd
- Vergesst sie nicht! Gedenkfeier für Ernst Toller, Erich Mühsam, Carl von Ossietzky, Kurt Tucholsky, 11.06.1939, Studio Nord-Süd
- Zürcher Künstler helfen den Kriegsopfern, Wohltätigkeits-Veranstaltung zu Gunsten des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks, 09.01.1943, Volkshaus
- Matinée Bert Brecht, 14.02.1943, Studio Nord-Süd (Kultur und Volk)
- Kulturkrise der Gegenwart, C.V. Vaucher, Schriftsteller, über das Thema: Film und Theater, 04.03.1943, Volkshaus; Voranzeigen: Arthur Baumgarten, Basel: Die Kulturkrise der Gegenwart; Konzert des Winterthurer Stadtorchesters unter der Leitung von Georg Solti, 28.03.1943, Tonhalle (Kultur und Volk)
- Prof. Dr. Arthur Baumgarten, Basel: Kulturkrise der Gegenwart, 18.03.1943, Volkshaus (Kultur und Volk)
- Matinée Leo Tolstoi anlässlich der Aufführung von „Und das Licht leuchtet in der Finsternis“, Schauspielhaus Zürich, 24.10.1943, Studio Nord-Süd (Kultur und Volk)
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