Struktur


Aktenserien

Identifikation

Signatur : Ar 198.38

Entstehungszeitraum / Laufzeit : ca. 1935-1993

Verzeichnungsstufe : Bestand

Umfang : 0.05 m


Kontext

Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben

Monika Popp, heimatberechtigt in Winterthur, wurde am 23.10.1930 unter dem Namen Rolf Popp geboren. Seine Eltern kannte Rolf Popp nicht, die beiden Brüder lernte er erst im Alter von dreissig Jahren kennen. Die ersten drei Lebensjahre verbrachte Rolf Popp im Kinderheim Tempelacker in St. Gallen. Danach kam er in eine Pflegefamilie in Mörschwil, von wo er im Alter von ungefähr 15 Jahren in eine Anstalt für Schwererziehbare abgeschoben wurde. Schon als kleines Kind fühlte er sich als Mädchen. Absolvierte eine Lehre als Maschinenschlosser in der Maschinenfabrik Benninger AG in Uzwil, später arbeitete Rolf Popp bei Saurer in Arbon und bei Sulzer und Rieter. Willigte in eine freiwillige Vormundschaft ein. Im Dezember 1954 erlitt Rolf Popp einen schweren Skiunfall, kündigte bald darauf die Stelle bei Rieter und wurde erstmals straffällig; mehrere gerichtliche Verfahren wegen Zechprellerei; später diverse Tätigkeiten als Monteur und Handelsreisender. In seiner Freizeit lebte Rolf Popp seine Neigungen als Transvestit aus, kleidete sich als Frau und wollte von der Gesellschaft auch so wahrgenommen werden.1960 arbeitete Rolf Popp in St. Gallen. Mit der zunehmenden Zahl der Verurteilungen rückte die Verwahrung in drohende Nähe; darüber wurde 1965 im Zürcher Obergericht verhandelt, nachdem Rolf Popp vom Bezirksgericht Winterthur zu einer Strafe von 14 Monaten Zuchthaus verurteilt worden war. Der Prozess vor dem Zürcher Obergericht erregte einiges Aufsehen. Nach weiteren Verfehlungen strebte Rolf Popp im Jahr 1973 die chirurgische Geschlechtsumwandlung an. Die Operation erfolgte im Januar 1974 im Kantonsspital Winterthur; danach Hormonbehandlungen. Monika Popp lebte dann in Zürich-Wipkingen und betätigte sich als Graphikerin und Layouterin. Am 24.12.1975 wurde ein Pass der Schweizerischen Eidgenossenschaft auf den Namen "Monika Popp" ausgestellt. Monika Popp verstarb am 6. Juni 2011 in Zürich.

Übernahmemodalitäten

Die Unterlagen wurden dem Schweizerischen Sozialarchiv am 20. Dezember 2012 von der Vormundschaftsbehörde der Stadt Zürich, Frau C. Gottschall, übergeben, nachdem von den Erben das Einverständnis über die freie Verfügung eingeholt worden war.

zum AnfangInhalt und innere Ordnung

Form und Inhalt

Der Bestand enthält Ego-Dokumente: Lebenslauf, tagebuchartige bzw. autobiografische Aufzeichnungen, Ausweise und Zeugnisse. Vorhanden sind ferner ca. 100 Fotodokumente aus dem Zeitraum von ca. 1935-1992.

Bewertung und Kassation

Es wurden keine Kassationen vorgenommen.

Neuzugänge

Neuzugänge werden nicht erwartet.

zum AnfangZugangs- und Benutzungsbedingungen

Zugangsbestimmungen

Der Bestand ist im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs ohne Benutzungsbeschränkungen einsehbar.

Sprache/Schrift

Unterlagen in deutscher Sprache

zum AnfangVerzeichnungskontrolle

Informationen des Bearbeiters

Die Bearbeitung des Bestandes erfolgte im Februar 2013 durch U. Kälin.


Aktenserien

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Akten

Ar 198.38.1Der Transsexualismus. Exposé von R. M. Popp
1974
Typoskript, undat. (1974), 150 Seiten
Autobiographische, teilweise tagebuchartige Aufzeichnungen mit Fotodokumenten (Zeitraum: ca. 1935-1959), beigebundenen Briefen und Presseartikeln, enthält auch den von Rolf Popp für die Verhandlungen vor dem Zürcher Obergericht von 1965 verfassten, 22-seitigen Lebenslauf; der letzte Eintrag ist datiert auf: 2. Februar 1974
Ar 198.38.2Persönliche Dokumente
1949-1992
1 Mappe, darin:
- Artikel, Diverses; ca. 1990-1993
- Ausweise, Zeugnisse: 1949-1992
- Fotodokumente, ca. 1950-1992
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